Montag, 11. Januar 2010

Echt ätzend

Nachdem wir am vorletzten Wochenende die Wirren der Überfahrt von Hiddensee nach Rügen und glücklicherweise auch auf's Festland hinter uns gebracht, ebenso die erste neujährliche Arbeitswoche in vollen Zügen genossen haben, bin ich am Freitag auf die komplizierte Jagd nach verschiedenen Ingredienzien zum Messing- und Kupferätzen gegangen. Himmel, amerikanische Bastelshops für die Damen haben immer alles in einem Onlineregal, was Frau braucht. Hier is das etwas anders. Werkzeug im Baumarkt, Ätzchemie im Elektronikbastlergeschäft, Bleche im Modellbauladen usw. usf. ... Boah gut, dass Daisy angekündigt war - so hatten wir ein fast völlig ausgestorbenes Berlin mit Parkplätzen und Ellenbogenfreiheit, weil alle Welt in der Wohnstube zu hocken schien. Hiermit hab ich mich dann dran gemacht. Sorry, die Fotos sind bescheiden in Qualität und Schlüssigkeit - es is halt ein leidlich dokumentierter Selbstversuch.


Plastikdose, Stempel, StazOn, Metallfeile, Messing- und Kupferblech (0,5 mm dick), Eisen-III-Chlorid, Edding, Plastikpinzette, Blechschere, Backpulver, Stahlwolle, Schleifpapier, ein Klotz aus Metall zum Draufrumhämmern, ein Hammer.

Zuerst hab ich mir Stücke aus dem Blech gesäbelt:


Hernach schön eben geklopft. Die armen Nachbarn. Ich bin froh, dass es bei uns im Mietshaus so locker zugeht. Noch nie hat sich wer über solche Dinge beschwert ...


Schön die Kanten abgeschliffen, damit man sich nich schneidet oder sticht. Zum Ätzen sollte die Oberfläche eh schön angeschmirgelt sein, damit die Angriffsfläche für das Eisen-III-Chlorid größer ist.



Dann hab ich mit dem StazOn gestempelt. Ging bescheiden. Trotz der rauen Oberfläche schmierte es ziemlich. Mit Aceton (Nagellackentferner) konnte ich dann regelmäßig alles löschen und neu bestempeln. Mhm, nich so spaßig. Mit dem Edding hab ich ein wenig bei den Buchstaben nachgezeichnet und einen Rand drumherum gezogen.



So, nun der spannendere Teil. Ich hab 125 g Eisen-III-Chlorid in 300 ml Wasser aufgelöst. Selbstredend NICHT in einem Metallgefäß. Plastikdose mit Deckel is großartig, weil man die Lösung hernach noch aufheben und ein paar Mal gebrauchen kann. Hab ich jedenfalls gelesen. Eisen-III-Chlorid is giftig, aber nicht so sehr gefährlich wie andere Ätzchemikalien. Ich bin ein Feigling - im Laufe des Experiments hab ich aber den größten Respekt vor dem Zeug verloren. Es dümpelt harmlos vor sich hin, es stinkt nich schlimm, es soll nur eklige Flecken hinterlassen. Kleckern hab ich vermieden, ebenso hab ich nich tief über dem Schälchen inhaliert. Mit Backpulver kann man es neutralisieren - ob ich es anschließend zur Schadstoffentsorgung bringen muss, werd ich noch telefonisch recherchieren - da scheiden sich die Meinungen, die ich ergoogelt hab. Der Kupferanteil in der gebrauchten Plirre soll für's Abwasser zu hoch sein. Ich sag Euch, wo es entsorgt werden muss, wenn ich mehr weiß. Also Wasser drauf und mit Holz oder Plastik umgerührt, bis es sich auflöst.


Sieht dann so aus. Bestempelte Teile reingeschmissen:


Nach vier Stunden war ich mit der Geduld am Ende. Fest steht, dass ich beim nächsten Versuch einige Stunden dranhänge. Über Nacht oder so. Hier hab ich's jedenfalls nach besagten vier Stunden mit Vinylhandschuhen aus der Lösung geholt.


Ordentlich in Backpulver gewälzt und hemmungslos damit abgerieben anschließend.


Nachdem ich es unter fließendem Wasser abgespült und mit Geschirrspülmittel gewaschen hatte, hab ich mit Stahlwolle poliert. Das hat gut geklappt. Jedenfalls bei den Teilen, bei denen sich der StazOn-Abdruck nich schon während des Bades in der Lösung völlig in Wohlgefallen aufgelöst hat. Der Clown und einiges anderes hatte sich vorher vom Metall verabschiedet - dementsprechend war das auch nich richtig geätzt. Aber es gibt noch eine Variante mit Laser-Ausdrucken, die man mit Aceton und Bügeleisen auf's Metall transferiert - dazu mehr im nächsten Versuch ...


Ich habe das Ganze dann noch einmal mit einer Kupferplatte probiert. Nach dem Ätzen und Neutralisieren sah das zwar interessant aus, ich wollte jedoch noch ein wenig Kontrast mit Danyeelas Schwefelleber erzeugen - bei Messing geht das nich, Kupfer hingegen ist sehr dankbar.


Nach dem Abschmirgeln mit besagter Stahlwolle sieht das ungefähr so aus:


Hier noch einmal Kupfer- und Messingplatte sowie die schon "bebastelten" Worte, die halbwegs gut geworden sind. Da hab ich mit schwarzer Acrylfarbe nachgeholfen, die ich draufgestrichen und nach dem Trocknen teilweise abgeschliffen hab.


Tja, eigentlich wollte ich ein fertiges Armband präsentieren. Mein heiß geliebtes Crop-A-Dile machte mir jedoch 'nen Strich durch den montäglichen Bastelabend. Ich war unter anderem so angetan von dem kleinen grünen Tier, weil es sich eben auch durch 0,5-mm-Blech fraß. Naja, nu nich mehr. Ich bin in also in stiller Trauer ...



Ergo muss mir die Tage mal jemand erklären, wie ich mit der Minibohrmaschine umgehe, die hier an meinem Basteltisch herumhängend ignoriert wird. Schließlich nutzt ein geätztes Blech ohne Löcher drin rein gar nix. Und Bohrer hab ich auch noch nich. Also wieder in den Baumarkt. Oder Modellbauladen. Vermutlich in vier bis fünf verschiedene Geschäfte in Großberlin - alles nur deshalb, weil in Deutschland wirklich niemand an die
bastelnden Damen denkt. *seufz* ;-)

Kommentare:

  1. LOL - du bist echt der Hammer! Voll cool! Das mit der grünen Lochzange ist natürlich doooofffff.

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  2. *kreisch*..............du hast das Krokodil erledigt???? CRAZY - hätt nicht gedacht, dass Frau DAS schafft ;-).... Ich trauer natürlich mit dir....... Deine Ergebnisse lassen sich wirklich sehen, das sieht ja nach ner reinsten Hexen-Brodelküche aus......Stark!

    LG
    Petra ( die noch immer unfassbar auf das erlegte Krokodil schaut......tzzzzzzzzzzzzzzzz.....du bist eine.....)

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  3. Jeses wie genial... okay Daisy ist durch und ich müsste mich durch die Massen quälen aber probieren muss ich das dringendst....sieht sehr genial aus
    danke dir

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  4. Sie hat es getan - und dann noch so hervorragend bebildert! Sieht nach einem unterhaltsamen Wochenende aus und ich bin dafür, du bleibst jetzt noch ein paar Tage daheim und probierst noch die Variante mit dem Aceton. Zum Bohren hab ich übrigens so einen Handbohrer genommen, in den man verschieden dicke Bohrer einfach einsetzt: http://www.manufactum.de/Artikel/79143/.html (ok, nicht diese Edelausführung), aber das geht echt gut (beim Bohren einen dicken Holzklotz unter das Blech legen). (Bastelbohrer in Rosa mit hübschen Täschchen - sehe ich da ne Marktlücke?)

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  5. Crop-a-dile ist eindeutig ein Reklamationsfall - wahrscheinlich ein schwächliches Montagsgerät.
    Die geätzten Sachen finde ich obercool; allerdings habe ich den Vorgang an sich noch nicht ganz begriffen. Ätzt es da weg, wo KEINE Stempelfarbe ist? Wäre ja eigentlich logisch. Aber warum ätzt es die nicht sowieso gleich mit weg? Wo das doch so ätzend und gefährlich ist??? Muss wohl nochmal die Bilder genauer studieren. :)

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  6. Du machst ja Experimente....aber mit tollem Ergebnis, wie ich finde. Wow!

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  7. Sandra, die Stempelfarbe schützt das Metall vor der Chemie - an den unbedeckten Stellen oxidiert das Eisen-III-Chlorid das Kupfer und löst es so aus der Platte. Sehr genau hab ich mich nich mit der grauen Theorie beschäftigt. Jedenfalls brennt die Suppe nich überall Löcher rein oder so, sondern reagiert nur mit dem Metall. ;-)

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  8. War ja klar, das hier irgendwas obercooles kommt. *smile* Ich erstarre mal wieder vor Staunen. Und mein Krokodil ist auch kaputt. Nicht ich, eine Kundin die es nicht abwarten konnte, hat versucht ein Motiveylet einzusetzen. Ging nich. Jetz isse hin.

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  9. Eigentlich sollte ich hier garnichts herschreiben, denn mir fehlen ein bisschen die passenden Worte, um deine Ideen und deine Experimentierlust und die genialen Ergebnisse angemessen zu kommentieren.
    Für mich mutierst du langsam aber sicher zum Genie.
    Karin

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  10. Frau Knitter, du bist genial! Alleine die Beschreibung des Tathergangs entzückt mein Gemüt. Meine Gedanken sind bei dem grünen opfer..schlimm schlimm!

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  11. Eigentlich wundert mich bei dir ja nichts wirklich, aber das du hier auf solche Ideen kommst macht mir schon etwas Angst :o)))
    Deine Ergebnisse sehen sehr genial aus und auch deine Bebilderte Anleitung ist sehr genial. Ich werde so etwas sicher nie machen, dafür bin ich ein zu großer Schussel im Umgang mit "gefährlichen" Dingen *g*. Doch ich schaue mir auf jeden Fall dein fertiges Armband an, wenn du wieder etwas zum Löcher machen hast. Wer hätte gedacht, das du das arme Krokodil erlegst.
    Bringst du das gute Stück - also das Armband mal zum streicheln mit nach Buchholz ? *ganzliebdrumbettel*

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  12. Das sieht nach eine Menge Spaß aus und ich bin schon gespannt, was du noch so alles zaubern wirst ;) Es wird wahrscheinlich keine andere Frau geben, die das Krokodil um Knopf und Öse gebracht hat - ich lege eine Schweigeminute ein!

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  13. Kerstin , gibst du Nachhilfe in Chemie/ Physik?? Ich bekomme hier den Mund nicht mehr zu - zu genial ist das was du da ätzt, schleifst und bohrst!Für das Krokodil lege ich auch mal schnell eine Schweigeminute ein!und nun warte ich auf orginal design knitterarmbänder..echt - du bist der HAMMER!!!!!

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  14. Kerstin, Kerstin, Kerstin... was du alles machst! Ich staune... und freue mich, dass ich den Weg zu deinem Blog gefunden habe und solch Dinge zu sehen bekomme. Danke!

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  15. Das ist ja echt der Hammer!!! Frau Knitter schafft es den Krokodil zu zerstören :-))) Aber dein Experiment ist echt obercool!!! Danke für deine tolle Karte. Hab mich total darüber gefreut auch wenn mir die Eisschollen auf deinem Foto schon etwas Angst einjagten. Dachte schon du kommst da nie wieder weg :-))

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  16. Mann, welch ein Aufwand! Ich hab gerade neulich diese Technik in einem Buch gesehen (genau, das mit dem schönen Armband), hab mir aber gedacht, daß das nichts für mich ist ... jetzt glaube ich das erst recht ;-)

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  17. Mein liebes Knitterchen ... ich liebe es auf Deinen Blog zu hüpfen ... Du überrascht mich immer wieder mit der fantastischsten Dingen. Dafür möchte ich Dir einfach mal danken !!!
    Aber Du würdest Dich gut machen in so einer Glaswerkstatt, wo man Dir beim Werkeln zuschauen könnte ... wäre das nicht eine Marktlücke???
    Leuchtreklame: Sehen Sie heute - Die Narrenhände - LIVE !!!!!

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  18. *sprachlosbin*

    ähm.... duhuuuu.... sag mal, gibst du auch Privatunterricht?
    Das sieht ja mal wieder total anbetungswürdig aus!

    GLG
    Melanie

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  19. Worin liegt denn nun ausgerechnet beim Bohren das Problem, ätzen ist die weit schwierigere Sache...
    Ich bin Metaller und stehe mit Rat gern zur Seite!
    Gobi

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